Daten werden geladen...

Aufgrund der umfangreichen Volltextsuche kann das Anzeigen des Ergebnisses einige Sekunden dauern.

loader
Zurück

Widerstand von Soldaten und Offizieren in der Wehrmacht

von Wolfgang Neugebauer und Stephan Roth

Unzählige deutsche und Österreichische Soldaten wurden wegen verschiedener Widerstandsdelikte - Eid- und Kriegsdienstverweigerung, Desertion, Befehlsverweigerung, Selbstverstümmelung, Wehrkraftzersetzung u.a.- von Militärgerichten verurteilt. Die durchwegs mit der Todesstrafe geahndete Wehrdienst- und Kriegsdienstverweigerung fand großteils in der ersten Phase des Krieges statt, wobei mit Ausnahme einiger weniger Katholiken sämtliche Opfer Zeugen Jehovas waren. Das mit Abstand häufigste Entziehungsdelikt war die Desertion oder Fahnenflucht; hier geht man von rund 4.000 Personen aus. Die Bestrafung war rigoros: In fast der Hälfte der Verfahren wurden Todesurteile verhängt, von denen mehr als 60 Prozent vollstreckt wurden. Neben den Entziehungsdelikten gab es eine Fülle weiterer von den Militärgerichten geahndeter Delikte wie "wehrkraftzersetzende Äußerungen", "Verratsdelikte" und diverse Widersetzlichkeit wie Gehorsamsverweigerung, Meuterei oder "Feigheit vor dem Feind". Besonders scharf verfolgte die Militärjustiz "Selbstverstümmler", also Soldaten, die sich selbst Verletzungen zufügten, um dem Fronteinsatz zu entgehen.

In der Endphase des Krieges bemühten sich viele Soldaten und Offiziere der Wehrmacht, die Kämpfe abzukürzen und Zerstörungen zu verhindern. Bis in den Mai 1945 wurden diese Widerstandsaktivitäten durch Standgerichte von Wehrmacht, SS und NSDAP brutal zu unterdrücken versucht, wobei unzählige Soldaten und Offiziere exekutiert wurden.

Die wichtigste militärische Widerstandsgruppe in Österreich hatte sich im Wehrkreiskommando XVII in Wien um Hauptmann Carl Szokoll gebildet. Diese Gruppe war bereits am 20. 7. 1944 spektakulär in Aktion getreten, als im Zuge der von Oberst Stauffenberg geleiteten "Operation Walküre" führende Wieoer NS-Fuoktionäre festgenommen wurden. Der unentdeckt gebliebene, nunmehrige Major Szokoll konnte im April 1945 Kontakt mit der Roten Armee aufnehmen, doch der Aufstandsplan ("Operation Radetzky") und damit die kampflose Übergabe Wiens fielen einem Verrat zum Opfer.

Quelle: Fritz, Herbert/Krause, Peter (2013): Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Verfolgung. (ÖVfStg, 2013) S. 68-70.


Zurück