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Die Richter

Die Verhandlung des Volksgerichtshofs vom 9. bis 11. August 1944 gegen Eduard Pumpernig, Anton Granig, Wenzel Primosch, Franz Stoppacher, Ernst Ortner, Karl Krumpl, Johann Kapistran Pieller, Angelus Steinwender, Franz Bernthaler, Georg Kofler, Ferdinand Frodl, Karl Staudacher und Sophie Jörgl wurde von folgenden Richtern der NS-Justiz geleitet:

 

Kurt Albrecht

(24.12.1885 – 1962)

Kurt Albrecht trat 1915 als Gerichtsassessor in den Justizdienst ein. Er wechselte 1927 zur Staatsanwaltschaft nach Frankfurt am Main, wurde dort 1932 zudem Beamtenbeisitzer des höheren Dienstes bei der Beamtenstrafkammer und Anfang August 1933 Landgerichtsdirektor. 1936 wechselte er an den Volksgerichtshof und wurde dort Senatspräsident. Seine Vorgesetzten waren Otto Georg Thierack und Roland Freisler.

Zum 1. Mai 1933 trat Kurt Albrecht der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.655.431).

Der Volksgerichtshof unter der Führung des "Blutrichters" Roland Freisler

Quelle: DÖW

Kurt Albrecht war Vorsitzender Richter beim Volksgerichtshofverfahren mit den Todesurteilen gegen die Mitglieder der Widerstandsgruppe rund um Heinrich Maier, Walter Caldonazzi und Franz Josef Messner. In diesem Verfahren wird im Urteil hinsichtlich der Einwendungen der Angeklagten zu ihrer Folterung festgehalten, dass gemäß glaubwürdigen Aussagen der Gestapo-Beamten gegen keinen Häftling irgendwelche wie immer gearteten ungesetzlichen Zwangsmittel zur Erzielung von Aussagen angewendet wurden. Im Verfahren gegen die christlich-monarchistischen Widerstandskämpfer Franz Schönfeld und Marie Schönfeld verhängte Albrecht gegen beide die Todesstrafe wegen Herstellung und Verbreitung von zahlreichen NS-feindlichen Flugschriften. Im diesbezüglichen erstaunlichen Urteil wird von Kurt Albrecht festgehalten, dass die Schönfelds als eifrige Kirchgänger bekannt sind, die Niederlage des Deutschen Reiches und die Wiederaufrichtung der Habsburger Monarchie herbeiwünschen, der Volksgemeinschaft in den Rücken gefallen sind, an Gehässigkeit kaum zu überbieten sind, Franz Schönfeld ein Psychopath sei und „für solche Menschen ist kein Platz in der deutschen Volksgemeinschaft. Sie haben sich für immer ehrlos gemacht und müssen aus ihr ausgemerzt werden.“ 

Im Verfahren gegen Marie Eckert, laut Urteil eine alte, schwer kranke und gebrechliche Frau, verfügte er 4 Jahre Zuchthaus im Wesentlichen wegen Besitz eines in der Brieftasche gefundenen selbstgeschriebenen Zettels mit dem Text „Wir wollen einen Kaiser von Gottesgnaden und keinen Blutmörder aus Berchtesgaden“.

Kurt Albrecht war ebenfalls Vorsitzender Richter im Verfahren gegen die Klosterschwester Maria Restituta Kafka, in dem diese wegen Vervielfältigung eines Soldatenliedes beziehungsweise Vorlesen dieses Liedes vor zwei anderen Klosterschwestern und einer Operationsgehilfin zum Tode verurteilt wurde. Während des Verhörs, bei dem die Klosterschwester vergeblich beteuerte, sie habe das Gedicht nicht als Hochverrat, sondern nur als harmlosen Scherz aufgefasst, verlangte Albrecht höhnisch: „Nun, Schwester, Sie sind ja musikalisch, singen Sie uns das Lied vor!“ Als sich die Klosterschwester weigerte, sprach er das Todesurteil aus. Im Verfahren gegen die Klosterschwester hat Albrecht ganz bewusst die Öffentlichkeit nicht ausgeschlossen, „um das hetzerische Treiben klerikaler Kreise öffentlich zu brandmarken“.

Albrecht fällte auch die Todesurteile gegen die Widerstandskämpfer Rudolf Masl, Elfriede Hartmann und Friedrich Mastny. Am 11. August 1944 wurden von Kurt Albrecht die Widerstandskämpfer Anton Granig, Wenzel Primosch, Karl Krumpl, Franz Bernthaler, Angelus Steinwender, Capistran Pieller, Ernst Ortner und Georg Kofler zum Tode verurteilt. Über Pfarrer Granig vermerkte Albrecht: „Unter den Angeklagten macht Granig den denkbar übelsten Eindruck. Es dauerte lange, bis er sich dazu bequemte, die Wahrheit zu sagen.“ Als Granig einwarf: „Bitte, Herr Vorsitzender, sagen zu dürfen, dass ich ununterbrochen 17 Stunden hindurch auf einem Block stehend…“, worauf der Richter ihn unterbrach: „Schweigen Sie, in Ihnen steckt nicht ein Priester, sondern der Teufel.

Albrecht wurde am 22. März 1950 von der Spruchkammer Württemberg-Hohenzollern als „minderbelastet“ entnazifiziert, als hilfreich erwies sich ein Persilschein des Strafverfolgers am VGH Edmund Stark.

 

Alfred Zmeck

(27.02.1899 – 1971)

Im Ersten Weltkrieg diente Alfred Zmeck in der österreichischen Armee. Nach Kriegsende nahm er die Staatsbürgerschaft der Tschechoslowakei an. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Prag ließ er sich als Anwalt nieder. Politisch betätigte sich Alfred Zmeck von 1919 bis 1930 als Mitglied der Deutschen Nationalpartei.

Am 1. November 1939 trat Alfred Zmeck in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 6.885.511) und wurde im selben Jahr in den deutschen Justizdienst übernommen.

Am Dienstort Nürnberg war er ab dem 8. Januar 1941 Ermittlungsrichter am Volksgerichtshof und wurde dort am 1. November 1941 Hilfsrichter. Spätestens ab Herbst 1942 wirkte er bei der Abfassung von Todesurteilen als Richter am Volksgerichtshof mit. Am 11. August 1944 wurden von Alfred Zmeck die Widerstandskämpfer Anton Granig, Wenzel Primosch, Karl Krumpl, Franz Bernthaler, Angelus Steinwender, Capistran Pieller, Ernst Ortner und Georg Kofler zum Tode verurteilt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verurteilte ihn das außerordentliche Volksgericht in Budweis zu Zwangsarbeit für die Dauer von zwanzig Jahren. Während der Haftzeit wurde seine Familie entsprechend der damaligen Versorgungsbezüge gemäß Artikel 131 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland finanziell unterstützt.

Nachdem Alfred Zmeck im Jahre 1955 aus der Haft entlassen worden war, konnte er ein Übergangsgehalt beziehen. Als bekannt geworden war, dass er während seiner Tätigkeit am Volksgerichtshof an vielen Todesurteilen rechtswidrig mitgewirkt hatte, wurde ihm die Zahlung von Versorgungsbezügen am 18. Juli 1961 verweigert. Alle Einsprüche gegen diesen Bescheid wurden mit dem Urteil (Az.: 242 III 65) des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes vom 28. April 1967 zurückgewiesen. Es gibt keine Hinweise, ob gegen Alfred Zmeck jemals in Deutschland strafrechtlich ermittelt wurde.

 

Karl Haas

(21.02.1878 – 1949)

In seiner Jugend wurde Karl Haas in einer Kadetten- und Korpsoffiziersschule erzogen. Von 1898 bis 1914 gehörte er der österreichischen Feldartillerie an, zuletzt im Rang eines Hauptmanns.

Von 1914 bis 1918 nahm Karl Haas mit dem Feldkanonenregiment 40, den Feldhaubitzenregimentern 8 und 3 am Ersten Weltkrieg teil. Während dieser Zeit erreichte er den Majorsrang.

Nach dem Krieg gehörte Karl Haas von 1918 bis 1931 dem Österreichischen Bundesheer an, in dem er als Regimentskommandant und stellvertretender Führer der Brigade Oberösterreich Nr. 4 fungierte. 1931 schied er als Generalmajor aus dem aktiven Heeresdienst aus.

Zum 11. November 1931 trat Haas in die Sturmabteilung (SA), den Straßenkampfverband der NSDAP ein. In dieser wurde er nacheinander zum Standartenführer (mit Wirkung zum 1. November 1931), Oberführer (1. November 1932) und Brigadeführer (1. Januar 1933) befördert und als Führer der SA-Gruppe Alpenland West und der Gruppe Österreich verwendet.

Zum 1. Januar 1932 folgte der Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnummer 689.037).

Im Jahr 1933 wurde Haas wegen seiner politischen Betätigung für die SA einige Wochen lang in Untersuchungshaft genommen. Aufgrund der anhaltenden Auseinandersetzungen der österreichischen Nationalsozialisten mit dem Dollfuss-Regime in Österreich floh er im Jänner 1934 ins Deutsche Reich, um sich der Verfolgung durch die Behörden zu entziehen. Dort schloss er sich der Österreichischen Legion an, in der er im Stab des Hilfswerks Nordwest verwendet wurde. In den Jahren 1934 bis 1937 nahm er an den Reichsparteitagen teil. Im März 1938 wurde Karl Haas Führer der Legionsbrigade 2 mit Sitz im Legions-Lager Bocholt. Im selben Monat wurde er zum SA-Gruppenführer befördert. Seit dem 1. September 1938 war er dann der Gruppe Alpenland zugeteilt.

Am 13. Februar 1939 wurde Haas zum ehrenamtlichen Richter am Volksgerichtshof ernannt. In dieser Stellung war er an der Verhängung von 80 Todesurteilen beteiligt, u. a. an der Verurteilung des Benediktinerpaters Josef Pontiller am 15. Dezember 1944 zum Tode. Am 11. August 1944 wurden von Karl Haas die Widerstandskämpfer Anton Granig, Wenzel Primosch, Karl Krumpl, Franz Bernthaler, Angelus Steinwender, Capistran Pieller, Ernst Ortner und Georg Kofler zum Tode verurteilt.

 

 

Die Verhandlung des Volksgerichtshofs vom 14. bis 14. August 1944 gegen Karl Wanner, Karl Karasek, Vinzenz Hauser, Karl Kremel, Karl Schall, Zoltan Walloschek, Walter Koch, Eduard Michl, Karl Grebenz, Meinrad Rohracher, Konrad Wieninger, Otto Tiefenbrunner, Hans Leinkauf und Franz Lambert wurde von folgenden Richtern der NS-Justiz geleitet:

 

Kurt Albrecht

siehe oben.

 

Wolfgang Münstermann

(18.01.1898 – 1971)

Der promovierte Jurist war als Landgerichtsdirektor im Frühjahr 1940 Vorsitzender Richter beim Sondergericht Posen II in Posen. In der Sitzung des Sondergerichts vom 18. April 1940 fällte er mit dem Amtsgerichtsrat Dr. Schaefer und dem Landgerichtsrat Jancke auf Antrag des Staatsanwalts Sommer das Todesurteil (Az: 4. Sond. KLs.109.40) gegen Johann Jendczewski, Josef Maslona, Stefan Wosniak und Miezislaw Perzynski wegen der Verletzung der Verordnung zum Schutze der Metallsammlung des deutschen Volkes vom 29. März 1940 (RGBl. I S. 565). Sie waren überführt worden, bei ihrer Arbeitsstelle Metallstücke entwendet zu haben. Schon am folgenden Tag wurden die ersten drei Angeklagten vom Sondergericht begnadigt. Doch das Urteil gegen Perzynski wurde nicht revidiert. Das Reichsministerium der Justiz wandelte das Strafmaß für Perzynski in eine Zuchthausstrafe von 10 Jahren um.

Im Jahre 1943 führte er den Vorsitz am Sondergericht Berlin VI, welches dem Landgericht Berlin zugeordnet wurde. 

Unter dem Vorsitz von Wolfgang Münstermann verurteilte (Az: RJM IV g5 1769/43) das Sondergericht Berlin den 22jährigen Maschinenbauingenieur Heinz Funke zum Tode, weil er nach einem Bombenangriff sich Gegenstände widerrechtlich angeeignet hatte. Der Generalstaatsanwalt wollte die Zeit als Soldat und seine Verwundung berücksichtigen. Weiterhin hätte er im Streit mit seiner Frau gelegen, was ihn beeinträchtigt hätte, so dass er nicht die volle Nervenkraft besessen hätte. Münstermann und das Gericht aber lehnte Entlastungsmomente ab: Gnade wird nicht befürwortet. Funke wurde am 24. September 1943 hingerichtet. 

Am 12. Jänner 1944 verhängte Wolfgang Münstermann (Az: Sond. VI 5 P KLs 769/43) als Vorsitzender Richter zusammen mit dem Amtsgerichtsrat Dr. Hans Steiner (* 20. Oktober 1900) das Todesurteil gegen den 22jährigen Italiener Renato Ceschiat wegen Diebstahls aus abgestellten Koffern im Dachgeschoß im Hotel Eden, wo er als Kellner arbeitete. Nach einem Bombenangriff wurde das Hotel so zerstört, dass es aufgegeben werden musste. Ceschiat eignete sich den Inhalt aus drei Koffern an, die im Dachgeschoss schon jahrelang abgestellt waren, weil sie von Hotelgästen zurückgelassen wurden. 

Obwohl der Tatbestand des Diebstahls nach § 242 StGB nur eine Gefängnisstrafe vorsah und er bis dahin nicht vorbestraft war, wurde er als Volksschädling (Nazi Jargon) zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 27. Januar 1944 vollstreckt. 

Am 11. Februar 1944 verurteilte das Sondergericht Berlin unter Vorsitz von Wolfgang Münstermann den Tschechen Josef Wenzel Schuffner zum Tode, weil er zwei Koffer gestohlen hatte. Da Schuffner schon wegen kleiner Eigentumsdelikte vorbestraft war, wurde er im Urteil (Az: RJM IV g5 1626/44) als unsteter Psychopath charakterisiert, obwohl ihn der Obermedizinalrat Dr. Wittenberg in einem Gutachten als für seine Taten voll verantwortlich beurteilte. Münstermann charakterisierte Schuffner im Sinne der NS-Rechtsprechung wie folgt:

"Der Unwert seiner Persönlichkeit ist nach seinem Vorleben so groß, daß er nicht verdient, weiterzuleben. Seine Ausmerzung aus der Volksgemeinschaft ist geboten. ... Das Gericht hat daher in beiden Fällen auf Verhängung der Todesstrafe erkannt. Bei der Persönlichkeit des Angeklagten hätte dem Gericht übrigens auch der zunächst nur zur Anklage stehende Fall des Diebstahls eines Koffers auf dem Anhalter Bahnhof zur Verurteilung des Angeklagten zum Tode genügt."

Da nach der Auffassung Münstermanns hier nicht nur ein Diebstahl gemäß § 242 StGB, sondern auch ein Verbrechen gemäß § 4 der Verordnung gegen Volksschädlinge vorlag, folgerte er:

"Das gesunde Volksempfinden verlangt auch eine Überschreitung des gewöhnlichen Strafrahmens bei derartigen Kofferdieben." 

Schuffner wurde am 17. März 1944 hingerichtet.

Im Jahre 1944 war Wolfgang Münstermann am Volksgerichtshof beim 3. Senat als Berufsrichter tätig. Am 13. Dezember 1944 verurteilte (Az: 3 L 501/44 und 3 J 1954/44) der 3. Senat unter dem Vorsitz des Volksgerichtsrats Paul Lämmle und den Beisitzenden Richtern Dr. Münstermann, Oberstudienrat Heinlein, Hauptgemeinschaftsleiter Schweizer und Ehrengerichtsvorsitzender Langguth auf Antrag des Vertreters des Reichsanwalts Rechtsanwalt Dr. Rothaug den 23jährigen Belgier Marcel von Holder zum Tode. 

Marcel von Holder hatte vor Zeugen erklärt, dass die Amerikaner Lastensegler hinter der Front absetzen würden. Diese Segler hätten Waffen für ausländische Arbeiter geladen. Dann würde er gegen Deutschland kämpfen. Im Urteil, das von Lämmle und Münstermann unterzeichnet wurde, hieß es entsprechend der NS-Auffassung:

"Der Daseinskampf unseres Volkes erfordert, dass jede Gefahr, die für die Sicherheit unseres Reiches von Fremdarbeitern ausgehen könnte, im Keim erstickt wird. Deswegen konnte nur auf die Todesstrafe erkannt werden." 

Marcel von Holder wurde am 30. Januar 1945 im Strafgefängnis von Frankfurt/Preungesheim hingerichtet.

Münstermann war nach 1945 in Celle in der Ernst-Mayer-Allee 21 als Rechtsanwalt tätig und verstarb 1971. Es wurde gegen ihn nie eine Anklage wegen Kriegsverbrechen erhoben.

 

Quelle: Wikipedia


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